Nigel Farage sagt, Facebook tötet rechte Seiten. Er könnte Recht haben

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Greift Facebook absichtlich auf rechte Seiten ein? Bei der Befragung von Mark Zuckerberg im EU-Parlament war sich Nigel Farage sicher. Der Europaabgeordnete der UKIP warf dem Facebook-Chef vor, dass er rechtsgerichtete Ansichten über das soziale Netzwerk „vorsätzlich diskriminiert“ habe.

Seitdem Facebook im Januar seinen Algorithmus geändert habe, seien Seiten mit „politischen Meinungen des rechten Mittelpunkts“ von Facebook herabgestuft worden, und zwar unter Berufung auf Daten, die einen „Rückgang von etwa 25 Prozent im Laufe dieses Jahres“ zeigten.

Also: Ist Farage richtig? Der Europaabgeordnete gab weder die Quelle seiner Daten preis, noch antwortete er auf ein Ersuchen um weitere Informationen. Jedoch scheinen neue Untersuchungen in Großbritannien und den USA, die ausschließlich von WIRED gesehen werden, darauf hinzudeuten, dass er es sein könnte. In den letzten sechs Monaten ist das tägliche Engagement auf den rechten Seiten deutlich zurückgegangen, und zwar um 600.000 oder 4,8 Millionen pro Woche. Insgesamt ist das Engagement auf diesen Seiten im letzten Jahr um 29 Prozent zurückgegangen, etwas mehr als Farage behauptet.

Zum Vergleich: Seit Oktober 2017 sank das tägliche Engagement auf linken Seiten um 8.000 oder 56.000 pro Woche. Ihr Gesamtrückgang seit Mai 2017 beträgt 9 Prozent.

Allerdings gibt es einen Haken: die Natur der linken und rechten Seiten. Einfach ausgedrückt: Rechtsextreme Seiten enthalten eher Inhalte, die von Facebook verboten sind. Ist das also eher der Hauptgrund für den Rückgang als die algorithmischen Änderungen? Die Antwort ist wie immer kompliziert.

Facebook verbietet

Die Ergebnisse stammen aus einer Studie der Social Media Analysten EzyInsights, die zwischen Mai 2017 und Mai 2018 mehrere hundert „kontroverse“ US und UK Seiten – definiert als solche, die „stark überparteiliche Inhalte aufweisen und außerhalb der etablierten Mainstream-Medien liegen“ – verfolgten.

EzyInsights teilte die Seiten in links, rechts und „andere“, ein Vergleich Steve El-Sharawy, der Innovationschef der Firma, räumt ein, ist nicht exakt. „[Linke Seiten] von Natur aus sind inhaltlich nicht so extrem“, sagt er. Wenn wir jedoch nur die rechten Seiten verfolgen, können wir die Stärke der Behauptung von Farage beurteilen.

Erstens: die Auswirkungen von Löschungen. Mehrere große rechtsextreme Seiten wurden kürzlich von Facebook verboten, wie zum Beispiel Britain First, das, als es geschlossen wurde, über zwei Millionen Fans hatte. Weitere von Facebook gelöschte Seiten sind WD Online (4,3 Millionen Fans), Conservative Media Page (3 Millionen Fans) und Freedom Daily (2,6 Millionen Fans).

Von 234 großen rechten Seiten, die von EzyInsights verfolgt werden, wurden 37 seit Januar 2017 aufgegeben oder gelöscht. El-Sharawy schätzt, dass 30 davon von Facebook geschlossen wurden, während die anderen von den Seitenadministratoren verlassen wurden.

Charlie Beckett, Direktor des Medien Think Tanks Polis, sagt, dass Facebook gegen offensive Beiträge vorgegangen ist. „Es ist klar, dass Facebook hart daran arbeitet, seinen Newsfeed’aufzuräumen‘ und dass sie klare Richtlinien haben müssen. Diese beurteilen ausdrücklich nicht, ob etwas wahr oder falsch ist, noch ob es ideologisch’extrem‘ an sich ist. Ihre Definition wäre zum Beispiel „Hassrede“, was bedeutet, Gewalt gegen eine Gruppe vorzuschlagen. Also ist es ok zu sagen, dass Amerika böse ist, aber es ist nicht ok zu sagen, dass Amerikaner böse sind.“

Beckett fügt hinzu: „Die Art der Klassifizierung von Facebook-Moderatoren für die Schließung offensiver Accounts würde sich eher um Themen wie Rassismus drehen und diese würden eher mit’rechten‘ Seiten in Verbindung gebracht werden.

Unterstützen die Daten diese Behauptung? Um die Wirkung von Verboten auf rechte Seiten zu beurteilen, verfolgte Varpu Rantala, der Datenwissenschaftler von EzyInsights, ihre tägliche Arbeit mit und ohne gelöschte Seiten. Bei gelöschten Seiten betrug der Rückgang zwischen April 2017 und April 2018 680.000. Ohne sie waren es 379.000.

Um es prozentual auszudrücken: Ohne die gelöschten Seiten sanken die rechts- und rechtsextremen Seiten um 21 Prozent. Mit ihnen sind sie um 31 Prozent gefallen. Die Schlussfolgerung? Der größte Teil des Engagements (etwa zwei Drittel) stammt aus der Umstellung auf den Algorithmus, während die manuelle Löschung das andere Drittel ausmacht. Mit anderen Worten: Farage hat vielleicht Recht. Aber auch hier ist das Bild kompliziert.

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